ZAL-Referat von Armin Duff und David Nef:

Schon beim Eintreten in den Raum geschah, was laut den Referenten beim Experimentieren so zentral ist: Man wurde neugierig. Auf Tischen die im Raum verteilt stehen, liegen die unterschiedlichsten Materialien. Von Gabeln aufgespiesste Korkzapfen, Batterien und Kabel, Münzen, Büchertürme, Unterlegscheiben und Magnete. Kaum haben die KursteilnehmerInnen Platz genommen, fordern Armin Duff und David Nef zum Experimentieren auf. „Hoch, höher…“. „Schnell, schneller…“. „Salto?“. „Kopf oder Zahl?“, steht auf grünen Karten, die auf den Tischen verteilt liegen. Die Teilnehmer legen los, werfen Bücher in die Luft, bauen Stromkreisläufe, ordnen Münzen zu Mustern und loten die Kraft der Magnete aus.

Um das geht es beim Experimentieren, beginnt Armin Duff. Ums Machen und Erleben. Auch „Hands-on“ genannt. Dafür muss das Material sicht- und greifbar sein. Nur so arbeitet das Gehirn mit, sagt voraus, schätzt ein, plant, reagiert. Phänomene, die nicht „hand-lungsorientiert“ erforscht werden, werden nicht verstanden. Damit beantwortet Armin Duff auch gleich die Frage, ob sich dieser ganze Aufwand lohnt. Experimentieren ist mit Ungewissheit und Risiko verbunden. Aber gerade deshalb so spannend.

Eine Lehrperson begleitet ihre Schüler und Schülerinnen am besten, in dem sie die richtigen Fragen zur richtigen Zeit stellt.  „Richtige Fragen“, so Armin Duff, „sind Fragen, die zum Phänomen, zum Experiment zurück führen. Frage wie: „Hast du gesehen?“, „Was hast du gerade beobachtet?“ Die Schüler sollen dazu aufgefordert werden, zu messen und zählen, zu vergleichen und zu handeln. Mit diesem Aufbau, kann man die Schülerinnen am Ende dann auch herausfordern („Schaffst du es…?“). Eine Lehrperson sollte im Hinterkopf behalten, dass es in der Naturwissenschaft nie endgültige Antworten gibt. Ohnehin kann ein Lernender mit Antworten allein wenig anfangen, egal ob diese vom Internet oder von der Lehrperson kommen. Er muss selber ausprobieren können. Dabei ist der Weg zur Antwort (über Versuche, Beobachtungen, Vermutungen…) wichtiger als die Antwort selbst. Es geht wie bei allen Erkenntnissen, die wir im Leben dazugewinnen, um den Lernprozess. Auch die Lehrperson muss nicht alles wissen.

Braucht es die Lehrperson überhaupt noch? Unbedingt, findet David Nef. Die Lehrperson beschafft das passende Material, unterstützt die Lernenden auf ihrem Lernweg, bei ihrer Handlungsplanung. Die Kinder und Jugendlichen lernen, Behauptungen selbst zu überprüfen, statt sie unhinterfragt von anderen zu übernehmen. Für ein vertieftes Verständnis von Phänomenen, so Armin Duff, sei es immer wieder von zentraler Bedeutung, die Perspektive zu wechseln. Und auf einmal öffnen sich neue Kanäle, neue Einsichten. Oder wie Stephen Hawking sagte: „Der Feind ist nicht Unwissenheit. Sondern die Illusion, wissend zu sein.“

Text: Alma Pfeifer