ZAL Referat von Prof. Dr. Esther Brunner

Warum Mathematik sprachsensibel zu unterrichten wichtig ist, wir sowohl statistisch nachgewiesen, bildungspolitisch begründet und hat natürlich auch unterrichtspraktische Gründe. Viele Mathematik-Lehrkräfte erleben bei ihren Lernenden täglich Beschränkungen durch Sprachkompetenz. Dabei spielt die herkunftsbedingte Heterogenität eine grosse Rolle, bezieht sich aber nicht nur auf Schüler mit Migrationshintergrund, sondern betrifft alle Kinder mit nicht hinreichender Sprachkompetenz (auch rein Deutschsprachige).  Es braucht mehr als fliessend Alltagsdeutsch zu sprechen. Der Zugang und das Verständnis für Deutsch als Bildungssprache ist notwendig. Damit ist gemeint, dass eine konzeptionelle Schriftlichkeit, ein präziser Wortgebrauch, vollständige und komplexe Sätze, unpersönliche Formen und eine dekontextualiserte, abstrakte und explizit formulierte Sprache verwendet werden kann.

Alltages- und Bildungssprache

Kinder mit wenig Kenntnissen in der Bildungssprache zeigen Probleme mit strukturellen und logischen Beziehungen in der fachlichen Sprache, verstehen und erfassen Fachbegriffe nicht tief genug, scheitern bei grafisch-sprachlichen Veranschaulichungen und haben schlussendlich auch Probleme mit der „Mathematiksprache“.  Es geht also nicht nur darum, ob eine Lesehürde besteht oder nicht! Wer sprachlich schwach ist, kann seine Kompetenzen und Vorstellungen nicht richtig zeigen beim Lesen von Textaufgaben, beim Präsentieren und Schreiben. Kompetenzen und Vorstellungen können nicht entwickelt werden, das beeinträchtigt das Verstehen und Entwickeln von Erklärungen, Verbalisieren von Zusammenhängen sowie das Denken und Schreiben in der Mathematik

Die mathematische Fachsprache hat fünf Merkmale, welche sprachlich gemeister werden müssen:

  • Sie enthält Fachbegriffe, die in der Alltagssprache kaum vorkommen oder anders verwendet werden  (z.B. addieren, Term…)
  • Bestimmte Syntax und Semantik werden verwendet (falls a gleich…., dann ist b gleich….)
  • Konstanten und Variablen, die zur Substitution von Ausdrücken, Objekten und Relationen verwendet werden (Kreisumfang, 2n…)
  • Verwenden von Symbolen, welche verdichteten Informationstransport ermöglicht und somit mathematische Ausdrücke sofort erkennbar machen (a2=b2+c2)
  • Mathematische Definitionen beziehen sich häufig auf zuvor definierte Begriffe (Eine Zahl v heisst Vielfaches einer Zahl a, wenn…..)

Wie geht das nun? Implikationen für einen sprachsensiblen Mathematikunterricht fokussieren einerseits auf dem Fachwortschatz, indem häufig vorkommende, eindeutige mathematische Fachbegriffe definiert und thematisiert werden. Es soll explizit Sprach und Wortschatzarbeit erfolgen (themenbezogene Sprachspeicher). Weiter sollen isolierte mathematische Fachbegriffe in zusammenhängende Sprachmuster integriert und im Matheunterricht angewendet werden. Andererseits soll das textintegrative Verständnis  generell gefördert werden, so dass die Lernenden Untersützungsstrategien und Bearbeitungshilfen für Textaufgaben haben, mentale Vorstellungsbilder und Arbeitsmittel erlangen, Darstellungswechsel nachvollziehen können. Im Mathematikunterricht gelingt das vor allem mit dem Anfertigen von Notizen bei Textaufgaben, mathematischen Gesprächen, Mathematikkonferenzen, das mathematische Handeln mit Material sprachlich begleiten, dem Prinzip des lauten Denkens und dem Beschreiben von Lösungswegen.

 

Text ZAL